Warum die Materialauswahl so oft falsch läuft
- Überdimensionierung „für alle Fälle"
- fehlende Kenntnis ĂĽber Fertigbarkeit
- Unterschätzung von Lieferzeiten
- Materialwahl ohne Bezug zur Funktion
Ein Material ist nicht dann gut, wenn es maximale Kennwerte hat, sondern wenn es die Anforderung ausreichend erfüllt – bei minimalen Kosten und maximaler Verfügbarkeit.
Die vier entscheidenden Kriterien der Materialauswahl
1 Mechanische Anforderungen
Festigkeit
Steifigkeit
VerschleiĂź
Schlagbeanspruchung
Nicht jede Struktur benötigt hochfeste Stähle oder Speziallegierungen. Oft reichen Standardwerkstoffe mit deutlich besserer Bearbeitbarkeit.
2 Umgebungsbedingungen
Temperatur
Korrosion
Feuchtigkeit
Chemikalien
Hier entscheidet sich, ob ein unlegierter Stahl ausreicht oder ob Edelstahl oder Aluminium sinnvoller ist.
3 Fertigungsverfahren
Material und Fertigung sind untrennbar verbunden. Nicht jedes Material ist fĂĽr jede Bearbeitung sinnvoll.
CNC-Fräsen / Drehen
Blechbearbeitung
3D-Druck
4 Kosten und VerfĂĽgbarkeit
Ein technisch ideales Material bringt nichts, wenn es lange Lieferzeiten oder hohe Mindestmengen erfordert.
Gängige Metalle in der Praxis
Aluminium – leicht, gut bearbeitbar, vielseitig
Aluminium ist eines der wichtigsten Materialien fĂĽr Prototypen und Funktionsbauteile.
Typische Legierungen:
- EN AW-6061 / 6082 – Struktur- und Maschinenteile
- EN AW-7075 – hochfest, eingeschränkt schweißbar
Stahl – robust und wirtschaftlich
Unlegierte und niedriglegierte Stähle sind kostengünstig und mechanisch belastbar.
- S235 / S355 – einfache Strukturbauteile
- C45 – höher belastete Maschinenteile
Nachteil: Korrosionsschutz meist erforderlich.
Edelstahl – korrosionsbeständig, aber anspruchsvoll
Edelstahl wird eingesetzt, wenn Korrosion, Hygiene oder Medienbeständigkeit relevant sind.
- 1.4301 – Standard-Edelstahl
- 1.4404 – höhere Korrosionsbeständigkeit
Zu beachten:
- höhere Materialkosten
- schwierigere Zerspanung
Kunststoffe in der Prototypenfertigung
Technische Kunststoffe
- POM – gleitfähig, maßstabil
- PA6 / PA66 – zäh, belastbar
- PEEK – hochtemperaturbeständig (kostenintensiv)
Kunststoffe eignen sich besonders fĂĽr:
- Gleit- und Lagerstellen
- isolierende Bauteile
- gewichtssensitive Anwendungen
3D-Druck-Kunststoffe
Für schnelle Prototypen werden häufig verwendet:
- PA12 (SLS)
- ABS / PETG (FDM)
Diese Materialien sind funktional, aber nicht immer seriennah.
Materialauswahl nach Anwendungsfall
| Anwendung | Empfohlenes Material |
|---|---|
| Funktionsprototyp | Aluminium 6082, POM |
| Strukturbauteil | S235 / S355 |
| Korrosive Umgebung | Edelstahl 1.4404 |
| Leichtbau | Aluminium 6061 |
| Schneller Designprototyp | PA12 (3D-Druck) |
Typische Fehler bei der Materialauswahl
- Edelstahl ohne Korrosionsanforderung
- hochfeste Legierungen ohne Notwendigkeit
- Kunststoff ohne TemperaturprĂĽfung
- Materialwahl ohne RĂĽcksicht auf Bearbeitung
Fazit: Material folgt Funktion – nicht umgekehrt
Eine gute Materialauswahl orientiert sich an der realen Belastung, der Fertigung und dem Einsatzumfeld – nicht an maximalen Kennwerten.
Bei partflow.net wird die Materialwahl immer bauteilbezogen geprĂĽft und bei Bedarf optimiert, damit Prototypen schnell, funktional und wirtschaftlich entstehen.
CAD hochladen. Einsatz definieren. Material sinnvoll wählen.