Trennverfahren

Laserschneiden vs. Wasserstrahlschneiden: Welches Verfahren fĂĽr Ihr Projekt?

Michael Bauer
Michael Bauer
Fertigungstechniker
9 Min. Lesezeit

Laser oder Wasserstrahl? Beide Trennverfahren haben ihre Stärken. Dieser fundierte Vergleich zeigt Ihnen anhand technischer Daten, Kostenanalysen und 50+ Anwendungsbeispielen, welches Verfahren für Ihr Material und Ihre Anforderungen optimal ist.

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Technischer Vergleich: Die wichtigsten Unterschiede

Kriterium Laserschneiden Wasserstrahl
Schnittgeschwindigkeit Sehr hoch ✓✓✓ Mittel ✓✓
Max. Materialdicke Bis 25mm Bis 200mm+ ✓✓✓
Schnittgenauigkeit ±0,1mm ✓✓✓ ±0,1mm ✓✓✓
Wärmeeinfluss Ja - HAZ Nein ✓✓✓
Betriebskosten/Stunde 45-65 € ✓✓✓ 75-95 € ✓✓
Materialvielfalt Metalle ✓✓ Universal ✓✓✓

Laserschneiden: Funktionsweise & Technologien

Beim Laserschneiden wird ein hochfokussierter Laserstrahl zum Schmelzen, Verbrennen oder Verdampfen des Materials eingesetzt. Der größte Vorteil: extrem hohe Schnittgeschwindigkeiten bei dünnen bis mittleren Materialstärken.

COâ‚‚-Laser

Wellenlänge: 10,6 μm

  • • Ideal fĂĽr dicke Materialien
  • • Höhere Leistung (bis 6kW)
  • • Niedrigere Investitionskosten

Fiber-Laser

Wellenlänge: 1,06 μm

  • • Höchste Schnittgeschwindigkeit
  • • Geringster Energieverbrauch
  • • Beste fĂĽr reflektierende Metalle

Nd:YAG-Laser

Wellenlänge: 1,064 μm

  • • FĂĽr härteste Materialien
  • • Präzisions-Anwendungen
  • • Medizintechnik, Aerospace

Wichtig: Wärmeeinfluszone (HAZ)

Laserschneiden erzeugt eine Heat Affected Zone (HAZ) von 0,2-0,5mm. Dies kann zu:

  • • GefĂĽgeveränderungen im Material fĂĽhren
  • • Verzug bei dĂĽnnen Teilen (<2mm) verursachen
  • • Anlassfarben/Verfärbungen erzeugen

→ Lösung: Nachbearbeitung oder Wasserstrahlschneiden verwenden

Wasserstrahlschneiden: Kaltschnitt ohne Hitze

Wasserstrahlschneiden nutzt einen Hochdruck-Wasserstrahl (bis 6.200 bar) mit Abrasivmittel (Granat-Sand). Größter Vorteil: Kein Wärmeeintrag, daher keine Materialveränderung.

Abrasiv-Wasserstrahl

FĂĽr Metalle, Stein, Glas, Verbundmaterialien

Wasser + Granat-Abrasiv
Druck: 3.800-6.200 bar
Schnittbreite: 0,8-1,2mm

Pure-Water-Jet

FĂĽr weiche Materialien (Schaumstoff, Dichtungen)

Nur Wasser, kein Abrasiv
Druck: 1.000-3.000 bar
Sehr sauberer Schnitt

Vorteile Wasserstrahl

  • âś“ Kein Wärmeeintrag (Kaltschnitt)
  • âś“ Keine GefĂĽgeveränderung
  • âś“ Keine Anlassfarben/Verfärbungen
  • âś“ Kein Verzug, auch bei dĂĽnnen Teilen
  • âś“ Universal einsetzbar (alle Materialien)
  • âś“ Dickere Materialien möglich (200mm+)
  • âś“ Verbundmaterialien problemlos
  • âś“ Keine Sekundärbearbeitung nötig

Materialeignung: Was schneidet was am besten?

Baustahl / Konstruktionsstahl (S235, S355)

🔥 Laser:

Optimal bis 20mm. Schnell, sauberer Schnitt, gĂĽnstig.

đź’§ Wasserstrahl:

Gut fĂĽr >25mm. Keine Verzunderung, kein Anlassen.

Empfehlung: Laser bis 20mm (schneller, gĂĽnstiger), Wasserstrahl ab 25mm oder bei Verzugsrisiko

Edelstahl (1.4301, 1.4404, 1.4571)

🔥 Laser (Fiber):

Exzellent! Hohe Geschwindigkeit, saubere Kanten.

đź’§ Wasserstrahl:

Perfekt fĂĽr dicke Platten (>30mm) oder bei Anlassfarben-Vermeidung.

Empfehlung: Fiber-Laser 1. Wahl für dünne-mittlere Stärken. Wasserstrahl wenn keine Verfärbungen toleriert werden

Aluminium (EN AW-5083, 6082, 7075)

🔥 Laser (Fiber):

Sehr gut! Reflektierende Metalle kein Problem mehr.

đź’§ Wasserstrahl:

Ideal fĂĽr dicke Platten und komplexe Konturen ohne Gratbildung.

Achtung: COâ‚‚-Laser nicht geeignet fĂĽr Aluminium! Nur Fiber-Laser verwenden

Titan, Inconel, gehärtete Stähle

🔥 Laser:

Möglich, aber langsam. Hoher Verschleiß der Optiken.

đź’§ Wasserstrahl:

Perfekt! Härte spielt keine Rolle. Keine Materialveränderung.

Empfehlung: Wasserstrahl 1. Wahl bei exotischen/harten Materialien

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